Klimakatastrophe, Klimarebellen: Naturfreunde Barsinghausen diskutieren mit Prof. Manemann von 'Extinction Rebellion'


Über 30 Naturfreundinnen und Besucher diskutierten am Montag, den 2.12.2019 mit Prof. Manemann von der hannöverschen Ortsgruppe der "Extinction Rebellion", deutsch: der "Rebellion gegen das Auslöschen". Manemann ist als Philosoph und Theologe ausgebildet. Er stellte die aus Großbritannien stammende (daher die englische Bezeichnung) Bewegung von Klimaaktivisten vor, die sich mittlerweile weltweit ausgebreitet hat und allein in Deutschland weit über 100 Gruppen umfasst. So hat sich im Sommer 2019 auch eine Ortsgruppe in Hannover gebildet, die sich aus Menschen aller Altersgruppen und Berufe zusammensetzt. Was ist das Besondere an XR, wie die Bewegung sich abgekürzt nennt? Sie stellt 3 Forderungen aus: "1. Die Wahrheit sagen! - Die Regierung muss die Wahrheit über die ökologische Krise offenlegen und die Dringlichkeit eines sofortigen Kurswechsels kommunizieren; 2. Jetzt handeln! - Die Regierung muss jetzt handeln, um das Artensterben zu stoppen und die Treibhausemissionen bis zum Jahr 2025 auf Netto-Null zu senken; 3. Politik neu leben! - Die Regierung muss eine Bürgerinnenversammlung einberufen, die die notwendigen Maßnahmen für Klimagerechtigkeit und gegen die ökologische Katastrophe erarbeitet, und sich verpflichten, deren Beschlüsse umzusetzen."

Manemann begann seinen Vortrag mit der Feststellung: "Es ist zu spät!" Es deute alles darauf hin, dass die Klimakatastrophe sich bereits vollziehe und wir uns der unangenehmeren Wahrheit stellen müssten, dass wir uns auf eine drastisch veränderte Umwelt einstellen müssten. Alle Fakten seien seit den Berichten des Club of Rome , seit den Klimakonferenzen allgemein bekannt, der Anstieg der CO²-Emissionen sei trotz all dieses Faktenwissens ungebremst weitergegangen. Parallel dazu finde ein großes Artensterben statt, dessen Auswirkungen wir nicht abschätzen könnten. Es gäbe eine gewärtige Lücke zwischen dem, was wir wissen oder wissen könnten und dem, wie wir handeln. Es gäbe so etwas wie eine "Katastrophenblindheit". Aber all das sei kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen, im Gegenteil: wir müssten jetzt agieren - gerade jetzt - und die Politik dazu bewegen, radikal umzusteuern. Passivität würde nichts besser machen. XR erhebe daher die genannten Forderungen und strebe an, dass maximal mögliche an Klima- und Artenschutz zu erreichen und das möglichst schnell. Dabei wende die Bewegung Mittel des zivilen Ungehorsams an, die auch in partiellem Rechtsbruch bestehen: so bei Straßenblockaden wie jüngst in Berlin oder auch in Hannover mit einer Blockade des Aegidientorplatzes. Diese Aktionen dienten im Ergebnis aber dazu, unsere Rechtsordnung insgesamt zu schützen, also gewaltsame Konflikte abzuwenden und ein demokratisches Zusammenleben weiterhin zu ermöglichen. Deshalb sei XR auch strikt gewaltfrei und respektiere jeden Menschen als möglichen Bündnispartner. XR arbeite mit anderen Bewegungen wie Fridays for Future, Scientists for Future usw. zusammen. Nur wer keine Hoffnung mehr auf eine "irgendwie, durch Autoritäten stattfindende Umkehr" habe, könne die Möglichkeitsräume für eigenes Handeln und einen Politikwechsel entdecken und sich selbst handelnd verändern. Denn die Klimakatastrophe sei auch eine Herausforderung an uns selbst: ohne die Bereitschaft zum Handeln sei Selbstveränderung zu ökologischem Denken und Leben kaum zu erreichen.

Diese durchaus radikalen Positionierungen wurden in der sich anschließenden Diskussion lebhaft erörtert. Die Ausgangsbasis Manemanns, nämlich das uns ein gewaltiges Problem mit dem Klimawandel ins Haus steht, wurde nicht bezweifelt. Kritisiert wurde unter anderem, dass eine positive Vision fehle, wie zukünftig gewirtschaftet werden könne. Auch wurde gefragt, was denn mögliche Aktionen sein könnten. Nach mehr als zweit Stunden endete ein sehr beeindruckender und aufrüttelnder Abend mit Professor Manemann.